Österreichische Künstlerin der Moderne

Soshana

»Die Emigration hat mein Leben geändert.«

Wien 1927  —  Wien 2015

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Lebensweg

Ein Leben für die Kunst

Soshana Afroyim, geboren als Susanne Schüller am 1. September 1927 in Wien, zählt zu den bedeutendsten österreichischen Malerinnen des 20. Jahrhunderts. Ihr außergewöhnliches Leben führte sie durch Kontinente und Epochen – von der Flucht vor dem Nationalsozialismus über die Pariser Avantgarde bis in die entlegensten Winkel Asiens und Afrikas.

Sie wuchs in einer jüdischen Mittelstandsfamilie im Herzen Wiens auf. Ihr Vater Fritz Schüller besaß eine Manschettenknopffabrik, ihre Mutter Margarethe war Bildhauerin und förderte die künstlerische Begabung ihrer Tochter von frühester Kindheit an. Soshana besuchte zunächst die Rudolf-Steiner-Schule, wechselte dann zur berühmten Schwarzwaldschule – jener progressiven Mädchenbildungseinrichtung im ersten Wiener Hochhaus in der Herrengasse, die von der Reformpädagogin Eugenie Schwarzwald gegründet worden war. In früheren Jahren hatten dort Lehrer wie Arnold Schönberg, Adolf Loos und Oskar Kokoschka unterrichtet. Die Schwarzwaldschule vermittelte jungen Frauen Selbständigkeit und Selbstbewusstsein – Werte, die Soshanas gesamtes Leben bestimmen sollten.

Mit dem Einmarsch der Nationalsozialisten im März 1938 endete diese Kindheit abrupt. Die elfjährige Susanne beobachtete Hitlers triumphalen Einzug in Wien vom Fenster der elterlichen Wohnung in der Hanuschgasse aus. Die Familie floh – über die Schweiz und Paris nach London, wo Soshana die Bombardierungen des Blitz erlebte und diese traumatischen Erfahrungen in eindringlichen Zeichnungen festhielt. 1941 gelang die Überfahrt nach New York auf der S.S. Madura, dem letzten zivilen Schiff aus Europa.

In New York besuchte Soshana die Washington Irving High School und begann unter Anleitung des Malers Beys Afroyim zu malen. Bereits mit siebzehn reiste sie gegen den Willen ihrer Eltern mit Afroyim durch die USA und porträtierte prominente europäische Emigranten: Thomas Mann, Franz Werfel auf dem Totenbett, Arnold Schönberg, Otto Klemperer, Bruno Walter, Lion Feuchtwanger, Theodore Dreiser und Hanns Eisler. Bei der Gründungskonferenz der Vereinten Nationen 1945 in San Francisco porträtierten sie namhafte Delegierte.

1945 heirateten Soshana und Afroyim, 1946 wurde Sohn Amos geboren. Wegen Beys' Aktivitäten in der Kommunistischen Partei – Senator McCarthy hatte seine Kampagne gegen vermeintliche kommunistische Umtriebe begonnen – verließ die Familie die USA. Über Kuba, wo Soshana 1948 ihre erste große Ausstellung im Circulo de Bellas Artes in Havanna hatte und erstmals den Künstlernamen „Soshana" verwendete (hebräisch für „Lilie"), gelangte die Familie nach Europa und schließlich nach Israel. 1950 ließen sich die beiden einvernehmlich scheiden. Soshana kehrte nach Wien zurück, studierte an der Universität für angewandte Kunst und an der Akademie der bildenden Künste.

1952 siedelte sie nach Paris über – der Beginn ihrer prägendsten Schaffensperiode. In Montparnasse arbeitete sie in den ehemaligen Ateliers von André Derain und Paul Gauguin, freundete sich mit Brâncuși und Giacometti an, verkehrte mit Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir, Max Ernst, Yves Klein und Alexander Calder. Picasso porträtierte sie 1954 und lud sie in seine Villa ein. Ab Mitte der 1950er unternahm Soshana ausgedehnte Reisen durch Asien, Afrika und Lateinamerika. 1957 stellte sie im Kaiserpalast von Peking aus, 1959 porträtierte sie Albert Schweitzer in Lambaréné.

1985 kehrte Soshana endgültig nach Wien zurück – nach einem Jahrzehnt in New York City, wo sie von 1974 bis 1985 gelebt und gearbeitet hatte. In Manhattan wohnte sie zunächst im legendären Chelsea Hotel, wo sie ihre Miete mit Gemälden bezahlte. Sie kannte Francesco Clemente, den Sammler Joseph Hirshhorn und pflegte eine enge Freundschaft mit Adolph Gottlieb. In Wien malte sie bis zu ihrem Tod am 9. Dezember 2015 beinahe täglich – selbst nach einem Schlaganfall 2008. 2005 zog sie aus gesundheitlichen Gründen in ein Pflegeheim, setzte aber ihre Arbeit fort. 2008 übernahm die Österreichische Nationalbibliothek ihren schriftstellerischen Nachlass, bestehend aus Manuskripten, Fotografien, Briefen und Dokumenten. Sie erhielt das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien (2009) und das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst (2010). Ihre Werke befinden sich in den Museen für Moderne Kunst in Paris und Rom, im Israel Museum in Jerusalem, im Jewish Museum in New York und in zahlreichen weiteren Sammlungen weltweit.

Auf einen Blick

Soshana in Zahlen

88
Lebensjahre
7
Jahrzehnte Schaffen
5
Kontinente bereist
398+
Auktionslose (artnet)
1948
Erste Ausstellung
20+
Länder mit Ausstellungen

Die umfangreichste Sammlung im deutschsprachigen Internet

Artikel & Essays

Alle Biografie Kunst & Stil Begegnungen Reisen & Orte Zeitgeschichte
01

Die Flucht aus Wien – Eine Kindheit zwischen Angst und Aufbruch

Wie die jüdische Familie Schüller 1938 dem Nationalsozialismus entkam – über die Schweiz und London bis nach New York.

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02

Die Schwarzwaldschule – Wiege der Emanzipation

Eugenie Schwarzwalds progressive Mädchenschule und ihr Einfluss auf die junge Susanne Schüller.

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03

Beys Afroyim – Lehrer, Ehemann, Katalysator

Die komplexe Beziehung zwischen der jungen Wienerin und dem 34 Jahre älteren Maler – und ein Fall vor dem Supreme Court.

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04

Die Pariser Jahre – Montparnasse und die große Freiheit

Gauguins Atelier, Brâncușis Nachbarschaft und die Bohème: Soshanas prägende Zeit im Herzen der Avantgarde.

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05

Soshana und Pablo Picasso – Die Frau, die Nein sagte

Wie Picasso die junge Wienerin porträtierte und ihr einen Platz an seiner Seite anbot.

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06

Giacometti und Brâncuși – Freundschaften fürs Leben

Tiefe künstlerische Verbundenheit mit zwei Giganten der modernen Skulptur.

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07

Vom Realismus zur Abstraktion

Wie aus figurativen Anfängen im Sozialen Realismus eine eigenständige abstrakte Bildsprache entstand.

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08

Die Magie der Kalligraphie

Buddhistische Mönche in Kyoto und chinesische Maler in Hangzhou lehrten Soshana eine neue Formensprache.

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09

Eine Frau erobert die Kunstwelt

Soshanas Kampf um Anerkennung in einer männerdominierten Kunstwelt des 20. Jahrhunderts.

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10

Weltreisende mit Pinsel

Von Peking bis Mexiko-Stadt, von Lambaréné bis Tokio: Soshanas unermüdliche Reisetätigkeit.

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11

Porträts der Berühmten

Thomas Mann, Albert Schweitzer und UNO-Delegierte: Soshanas Porträtkunst im Dienste der Zeitgeschichte.

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12

Die Rückkehr nach Wien

1985 kam Soshana zurück in ihre Geburtsstadt und malte dort bis an ihr Lebensende.

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13

Soshana und die COBRA-Gruppe

Zusammenarbeit mit Pinot Gallizio und die Grenzen für Frauen in Künstlergruppen.

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14

Ehrungen und Vermächtnis

Vom Goldenen Verdienstzeichen zum Ehrenkreuz: Die späte Anerkennung eines Lebenswerks.

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15

Soshanas Selbstporträts – Spiegel einer Identität

Von der braven Ehefrau zur befreiten Künstlerin: Wie Soshanas Selbstbildnisse ihren inneren Wandel dokumentieren.

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16

Die arisierte Fabrik – Das Erbe der Familie Schüller

In Fritz Schüllers Manschettenknopffabrik wurden im Krieg NSDAP-Parteiabzeichen hergestellt.

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17

Havanna 1948 – Die Geburt eines Künstlernamens

Neun Monate in Kuba, die erste Einzelausstellung und die Annahme des Namens „Soshana".

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18

Sartre, Beauvoir und die Cafés von Montparnasse

Soshanas intellektuelles Netzwerk in der Pariser Nachkriegsszene.

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19

Im Kaiserpalast von Peking – Ausstellung 1957

Wie Soshana sich eine Einladung des chinesischen Kulturministeriums organisierte.

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20

Informel und École de Paris

Die Strömungen der Nachkriegskunst, die Soshanas Entwicklung zur abstrakten Malerin formten.

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21

Afroyim v. Rusk – Ein Fall vor dem Supreme Court

Wie Soshanas Ex-Mann Beys Afroyim das amerikanische Staatsbürgerschaftsrecht veränderte.

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22

Albert Schweitzer in Lambaréné

1959 reiste Soshana nach Gabun und porträtierte den Friedensnobelpreisträger.

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23

Der Kunstmarkt und Soshanas Werke heute

Auktionsergebnisse, Sammlungen und die Wiederentdeckung einer verkannten Meisterin.

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24

Amos Schüller – Der Sohn als Hüter des Erbes

Die schwierige Beziehung zwischen Mutter und Sohn und sein Einsatz für ihr Vermächtnis.

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25

Überall alleine – Die ORF-Dokumentation

Werner Müllers Film über Soshana: fünf Jahre Produktionszeit für 45 Minuten gelebte Geschichte.

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26

New York 1974–1985 – Chelsea Hotel und die Rückkehr nach Amerika

Ein Jahrzehnt in Manhattan: Wie Soshana im Chelsea Hotel mit Gemälden zahlte und die New Yorker Kunstszene erlebte.

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27

Der Nachlass in der Nationalbibliothek

2008 übernahm die ÖNB Soshanas schriftstellerischen Nachlass – Manuskripte, Fotos, Briefe und Dokumente.

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01

Exil & Emigration

Die Flucht aus Wien – Eine Kindheit zwischen Angst und Aufbruch

Soshana.de · Redaktion · Biografie

Die Kindheit von Susanne Schüller endete abrupt im März 1938, als die Nationalsozialisten in Österreich einmarschierten. Das elfjährige Mädchen beobachtete Hitlers triumphalen Einzug in Wien vom Fenster der elterlichen Wohnung in der Hanuschgasse. Jahrzehnte später erinnerte sie sich an das begeisterte Jubeln der Menschenmenge und die eigene lähmende Angst. Die arisierte Manschettenknopffabrik ihres Vaters – in der während des Krieges NSDAP-Parteiabzeichen hergestellt wurden – wurde zum Symbol der Enteignung und des Verrats.

Fritz Schüller, geboren in Brünn und im Besitz eines tschechischen Passes, konnte das Land als Erster verlassen. Sein Fluchtweg führte über Spanien und Tanger bis nach New York. Margarethe floh mit den Kindern Susanne und Maximilian zunächst in die Schweiz, dann nach Paris, wo Fritz bereits wartete, und schließlich 1939 nach London. Dort besuchte Soshana das Northwood College und ab 1940 die Chelsea Polytechnic School, wo sie systematisch Mal- und Zeichenunterricht erhielt und auch Modezeichnen lernte.

In London erlebte Soshana die verheerenden Luftangriffe des Blitz. Fast jede Nacht musste die Familie in Luftschutzkellern Zuflucht suchen. Ihre frühesten erhaltenen Arbeiten entstanden in dieser Zeit – eindringliche, expressionistische Darstellungen des Kriegsgrauens. Bereits als Zwölfjährige in Frankreich hatte sie eine Zeichnung angefertigt, die Hitler als Clown darstellte – ein bemerkenswert mutiger Akt kindlicher Verarbeitung.

1941 gelang Fritz Schüller das scheinbar Unmögliche: Er beschaffte ein Affidavit und buchte drei Plätze auf der S.S. Madura, dem letzten zivilen Passagierschiff, das den verminten Atlantik in Richtung Neue Welt überquerte. Am Pier von Ellis Island begann für die vierzehnjährige Susanne ein neues Leben. Die traumatischen Erfahrungen der Flucht – die Entwurzelung, der Verlust der Heimat, die Angst – wurden zum emotionalen Fundament ihres gesamten künstlerischen Schaffens. Auf die Frage nach dem prägendsten Erlebnis ihres Lebens antwortete Soshana später trocken und knapp: „Hitler."

02

Bildungsgeschichte

Die Schwarzwaldschule – Wiege der Emanzipation

Soshana.de · Redaktion · Zeitgeschichte

Dass Soshana zeitlebens den Anspruch auf künstlerische und persönliche Selbstbestimmung verfolgte, ist maßgeblich einer Institution zu verdanken, die sie als kleines Mädchen besuchte: der Schwarzwaldschule in Wien. Diese von der Reformpädagogin Eugenie Schwarzwald gegründete Einrichtung war eine der ersten höheren Bildungsanstalten für Mädchen in Österreich und befand sich im ersten Wiener Hochhaus in der Herrengasse.

Eugenie Schwarzwald, 1872 in Galizien geboren und an der Universität Zürich promoviert – zu einer Zeit, als Frauen an österreichischen Universitäten noch nicht zugelassen waren –, hatte 1901 eine bestehende Mädchenschule übernommen und zu einem einzigartigen Bildungsexperiment gemacht. Ihre Schülerinnen kamen vorwiegend aus assimilierten jüdischen Familien des Wiener Bürgertums. Die Schule verfolgte das Ziel, jungen Frauen intellektuelle Unabhängigkeit und berufliche Eigenständigkeit zu ermöglichen.

Das Lehrerkollegium der Schwarzwaldschule liest sich wie ein Verzeichnis der österreichischen Avantgarde: Arnold Schönberg unterrichtete Musik, Adolf Loos Architektur, Oskar Kokoschka Zeichnen. Auch wenn diese Lehrer zu Soshanas Zeiten längst nicht mehr aktiv waren, zeugt ihre einstige Anwesenheit vom Geist des Hauses. Zu den berühmten Schülerinnen der Schwarzwaldschule zählten unter anderem die Schauspielerin Helene Weigel, die Schriftstellerin Hilde Spiel und Elsie Altmann-Loos. Eugenie Schwarzwalds Salon in der Josefstädter Straße war Treffpunkt von Robert Musil – der sie als Diotima in seinen Roman „Der Mann ohne Eigenschaften" einfließen ließ –, Karl Kraus, Jakob Wassermann und Elias Canetti.

Soshana verbrachte nur wenige Jahre an der Schwarzwaldschule, bevor die Flucht alles veränderte. Doch der Geist dieser Schule – die Überzeugung, dass Frauen zu intellektueller und künstlerischer Höchstleistung fähig sind – begleitete sie ein Leben lang. Es ist kein Zufall, dass Soshana, die an der Schwarzwaldschule lernte, dass Frausein und Künstlersein kein Widerspruch sein muss, später den Mut aufbrachte, als alleinstehende Frau die Welt zu bereisen und sich in der von Männern dominierten Kunstwelt zu behaupten.

03

Beziehungen

Beys Afroyim – Lehrer, Ehemann, Katalysator und der Supreme Court

Soshana.de · Redaktion · Biografie

Die Beziehung zwischen Soshana und Beys Afroyim gehört zu den komplexesten Kapiteln ihrer Biografie. Beys Afroyim – geboren 1893 als Ephraim Bernstein im polnischen Teil des Russischen Reiches – war ein überzeugter Kommunist, Zionist und Maler, der 1912 in die USA eingewandert war und 1926 die amerikanische Staatsbürgerschaft erhalten hatte. Als die vierzehnjährige Susanne Schüller 1941 in seiner Klasse an der Washington Irving High School in New York saß, war er bereits 48 Jahre alt.

Die Dynamik zwischen dem älteren Lehrer und der jungen Schülerin war problematisch, doch Afroyim erkannte Soshanas Talent und förderte es intensiv. Mit siebzehn Jahren verließ sie gegen den Willen ihrer Eltern das Elternhaus, um mit Afroyim durch die Vereinigten Staaten zu reisen. Gemeinsam verdienten sie ihren Lebensunterhalt, indem sie prominente europäische Emigranten porträtierten. 1945 heirateten sie, 1946 wurde ihr Sohn Amos geboren.

Beys' Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei zwang die Familie, die USA während der McCarthy-Ära zu verlassen. Über Kuba und Europa gelangten sie nach Israel, wo sich das Paar 1950 einvernehmlich scheiden ließ. Soshana wollte kein traditionelles Hausfrauen-Dasein führen. Sie gab Beys schließlich das alleinige Sorgerecht für Amos – eine schmerzhafte Entscheidung, die ihr den Weg zur unabhängigen Künstlerexistenz ebnete.

Beys Afroyim selbst schrieb 1967 Rechtsgeschichte: Nachdem er 1951 in einer israelischen Parlamentswahl gestimmt hatte, weigerte sich das US-Außenministerium, seinen Pass zu erneuern. Der Fall ging bis zum Supreme Court. In der Entscheidung Afroyim v. Rusk (387 U.S. 253) urteilte das Gericht mit einer knappen Mehrheit von 5 zu 4, dass amerikanischen Bürgern die Staatsbürgerschaft nicht ohne ihre freiwillige Zustimmung entzogen werden darf. Diese Entscheidung veränderte das amerikanische Staatsbürgerschaftsrecht grundlegend und ebnete den Weg für die moderne Akzeptanz doppelter Staatsbürgerschaften. Soshanas Ex-Mann, der polnisch-amerikanisch-israelische Maler, wurde so zu einer Schlüsselfigur der amerikanischen Verfassungsgeschichte.

04

Paris 1952–1970

Die Pariser Jahre – Montparnasse und die große Freiheit

Soshana.de · Redaktion · Kunstgeschichte

Als Soshana 1952 nach Paris kam, war die Stadt das pulsierende Zentrum der internationalen Kunstwelt. Montparnasse wurde für fast zwei Jahrzehnte ihre Wahlheimat. Es war eine Entscheidung von enormer Tragweite: Die junge Mutter ließ ihren Sohn Amos in der Obhut ihres Großvaters in Wien zurück, um sich ganz der Kunst widmen zu können.

»In Paris habe ich begonnen, wirklich zu malen. Paris ist eine sehr gute Schule, aber eine extrem schwierige, und in Paris kann ein Maler entweder sich selbst finden oder verloren gehen.«Soshana

Ihr erstes Pariser Atelier befand sich in den Räumlichkeiten, die einst André Derain bewohnt hatte. Später zog sie in ein Studio am Impasse Ronsin, direkt neben dem Bildhauer Constantin Brâncuși. Schließlich arbeitete sie im ehemaligen Atelier Paul Gauguins in der Rue de la Grande Chaumière – einem Raum, den zuvor auch Alphonse Mucha genutzt hatte. Ihr allererstes Atelier teilte sie mit dem japanischen Maler Yasse Tabuchi. Die finanziellen Verhältnisse waren prekär – Soshana beschrieb diese Zeit als „bittersweet".

In den Cafés von Montparnasse, in denen sich die Künstlerwelt traf, begegnete Soshana einer beispiellosen Konzentration kreativer Geister. Sie verkehrte mit Max Ernst und Yves Klein, tauschte sich mit Alexander Calder und Wifredo Lam aus, besuchte Marc Chagall in Saint-Paul-de-Vence, führte Gespräche mit Sartre und Beauvoir. Sie wurde Freundin von Kupka, Auguste Herbin, Ossip Zadkine, César, Pignon, Bazaine und Sam Francis. Sie stellte regelmäßig in den bedeutenden Pariser Salons aus – Salon de Mai, Salon d'Automne, Salon de Printemps, Salon des Réalités Nouvelles – und in der renommierten Galerie André Weil.

Der Einfluss der École de Paris und des Informel auf ihre Arbeit war tiefgreifend. Die in Paris konzentrierten künstlerischen Energien transformierten Soshanas Stil von einer noch realistischen Malweise hin zu einer zunehmend gestischen, abstrakten Formensprache. Paris war mehr als eine Station – es war die Geburtsstätte ihrer künstlerischen Identität.

05

Begegnungen

Soshana und Pablo Picasso – Die Frau, die Nein sagte

Soshana.de · Redaktion · Künstlerporträt

Im Jahr 1953 befand sich Soshana in einer Pariser Ausstellung, als sie ein Werk Picassos intensiv studierte. Der Meister selbst bemerkte die konzentrierte junge Frau mit den markanten, dunklen Augenbrauen, kam auf sie zu und begann ein Gespräch. Am Ende lud er sie ein, ihn in seiner Villa in Vallauris an der Côte d'Azur zu besuchen.

In Vallauris zeichnete Picasso 1954 ein Porträt von ihr – mit dunklen, expressiven Strichen, ihr Haar exotisch gestylt, in einer auffällig gestreiften Jacke. Kenner verglichen die Darstellung mit Picassos berühmtem Porträt von Gertrude Stein: Beide Frauen blicken seitlich, als seien sie zu selbstbewusst, um sich zum Objekt fremder Bewunderung machen zu lassen. Picasso soll über Soshana gesagt haben, er finde, dass sie Talent habe.

Nach der Trennung von seiner Partnerin Françoise Gilot bot Picasso der jungen Österreicherin an, bei ihm einzuziehen. Soshana erzählte später, sie habe in ihrem Hotelzimmer über das Angebot nachgedacht. Die Angst, schwanger zu werden – in einer Zeit ohne Antibabypille – und damit ihre Unabhängigkeit zu verlieren, gab den Ausschlag für ihre Ablehnung. Picasso wiederholte sein Angebot, bemerkte, dass sie ihn an seine Großmutter erinnere – Soshanas Urgroßmutter stammte aus Spanien –, doch sie blieb bei ihrem Nein.

Diese Entscheidung wurde zum zentralen Narrativ ihres Lebens. Der Titel einer nie fertiggestellten autobiografischen Erzählung lautete: „The Girl who said No to Picasso." Soshana gestand, oft hin- und hergerissen gewesen zu sein zwischen dem Stolz auf ihre Eigenständigkeit und dem Bedauern, nicht den leichteren Weg gewählt zu haben. Die Begegnung verschaffte ihr Aufmerksamkeit, doch Soshana verstand, dass ihre Kunst für sich selbst sprechen musste. Keine Muse, keine Geliebte – sie wollte als eigenständige Meisterin wahrgenommen werden.

06

Wegbegleiter

Giacometti und Brâncuși – Freundschaften, die ein Leben prägten

Soshana.de · Redaktion · Kunstgeschichte

Während Soshanas Beziehung zu Picasso vor allem durch ihr Nein legendär wurde, waren es die stillen, tieferen Freundschaften mit Alberto Giacometti und Constantin Brâncuși, die ihr künstlerisches Wachstum am stärksten beeinflussten.

Mit Brâncuși verband sie eine fast familiäre Beziehung. Ihr Atelier am Impasse Ronsin lag direkt neben dem des rumänischen Bildhauers. Er lud sie ein, seine Werke zu betrachten, und sie entwickelten eine enge Bindung. Soshana beschrieb, dass er sie liebte „wie eine Tochter." Als sie Paris für eine Reise verließ, sagte Brâncuși, er fühle sich, als würde er sterben. Die reduzierten, organischen Formen des Bildhauers hinterließen Spuren in Soshanas Verständnis von Raum und Form.

Die Freundschaft mit Giacometti war intensiver, intellektueller. Er zeichnete Soshana mehrfach – mit verschränkten Händen, einer angespannten, neugierigen Haltung, den Kopf forschend vorgestreckt. In einem Porträt sind ihre Schultern hochgezogen, der Hals vorgestreckt, das Gesicht offen, als suche sie im Betrachter nach Antworten. Soshana besuchte Giacometti häufig in seinem Pariser Atelier. Ihr letztes Treffen fand in den 1960er Jahren statt. Obwohl er große Retrospektiven in der Tate Modern und im MoMA gehabt hatte, wirkte er unglücklich. Er äußerte seine Frustration: Er habe es nie geschafft, einen Raum darzustellen. Dann fragte er, warum sie ihn nicht öfter besucht habe. Es war das letzte Mal, dass sie ihn sah.

Diese Freundschaften zeigen Soshanas Fähigkeit, authentische menschliche Verbindungen zu schaffen – mit Künstlern, deren Werke die Welt veränderten, die aber in ihr nicht die bewundernde Schülerin sahen, sondern eine ebenbürtige Gesprächspartnerin.

07

Stilentwicklung

Vom Realismus zur Abstraktion – Soshanas künstlerische Metamorphose

Soshana.de · Redaktion · Werkanalyse

Soshanas Frühwerk war geprägt von einem farbenfrohen, archaisch anmutenden Realismus. Unter Beys Afroyims Einfluss – einem überzeugten Kommunisten – malte sie Straßenszenen (Old Street in NY City, 1943; Street in L.A., 1945), Fabrikarbeiter (die Serie My Sweatshop in New York, 1944), Menschen, denen sie begegnete (Two Black Youths, 1944; Young Man with a Straw, 1945), und zahlreiche Porträts. Alle Dargestellten tragen einen ausgeprägt melancholischen Blick; die Porträts zeigen die Modelle frontal oder im Dreiviertelformat und fokussieren vollständig auf die dargestellte Person.

Diese Phase bildete eine Übergangsepoche zwischen den berühmten Realismen der 1930er Jahre – Neue Sachlichkeit, Verismus, Magischer Realismus – und der abstrakten Malerei der 1950er. Der entscheidende Bruch kam in Paris: Unter dem Einfluss des Informel, des Tachismus und der Begegnung mit Künstlern wie Yves Klein, Karel Appel und Sam Francis löste sich Soshana vom Gegenständlichen.

Die Kalligraphie wurde zum bestimmenden Element ihrer reifen Werke. In ihren abstrakten Kompositionen der späten 1950er und 1960er Jahre verschmolzen westliche Gestik und östliche Kontemplation. Werke wie „Chinese Inspiration" (1958), „Dark Grey Abstraction II" (1958), „Sans Titre" (1957) oder „Birds Over Asia" dokumentieren diese Synthese. Ihre Palette reichte von dramatischen Blau-Rot-Kontrasten bis zu meditativen Tuschearbeiten auf Reispapier. Im Spätwerk, das sie in Wien schuf, kehrte eine leuchtende Expressivität zurück – knallig, bunt, ungestüm, wie die Ausstellung „I Am OK" (2012) eindrucksvoll bewies.

08

Östliche Einflüsse

Die Magie der Kalligraphie – Soshanas Dialog mit dem Osten

Soshana.de · Redaktion · Stilkunde

1956 brach Soshana zu einer Reise auf, die ihr Schaffen grundlegend verändern sollte. Über Indien, wo sie sich mit hinduistischer und buddhistischer Philosophie beschäftigte, führte ihr Weg nach Thailand, Kambodscha und Japan. In den Tempeln von Kyoto führten buddhistische Mönche sie in die Kalligraphie ein. Sie lernte, den Pinsel als Verlängerung des Geistes zu begreifen – jeder Strich eine meditative Handlung, jede Linie ein Ausdruck innerer Verfassung.

In Hangzhou vertieften chinesische Maler ihr Verständnis für die Arbeit mit Tusche auf Xuan-Papier – das fragile Material, das keine Korrekturen erlaubt und absolute Sicherheit verlangt. Diese Erfahrungen revolutionierten Soshanas Malweise. Die kalligraphische Linie wurde zum bestimmenden Element: fließend, dynamisch und von einer inneren Logik durchdrungen. Ihre abstrakten Kompositionen gewannen eine Rhythmik, die weder rein europäisch noch rein asiatisch war – eine Synthese aus westlicher Gestik und östlicher Kontemplation.

1957 gelangte Soshana nach Peking, wo sie im Kaiserpalast ausstellte – eine der ersten westlichen Künstlerinnen überhaupt. Die Einladung des chinesischen Kulturministeriums hatte sie sich selbst organisiert. Auch die Freundschaften mit japanischen Künstlern in Paris – Jun Dobashi und Yasse Tabuchi – hatten den Boden für diesen Dialog bereitet. In einer Ausstellung im Jam-Atelier wurde später gezeigt, wie Soshanas Praxis als transformative Sprache im Dialog mit den Bewegungen der Welt interpretiert werden kann: Informel, Tachismus, japanische lyrische Abstraktion, amerikanischer abstrakter Expressionismus und die gestische Malerei der Gutai-Gruppe.

09

Emanzipation

Eine Frau erobert die Kunstwelt – Selbstbestimmung gegen alle Widerstände

Soshana.de · Redaktion · Essay

In der Kunstwelt der Nachkriegszeit war die Rolle der Frau klar definiert: Muse, Modell oder Gefährtin. Soshana widersetzte sich diesem Schema mit Entschlossenheit. Sie verstand früh, dass sie ein eigenes Künstlerbild schaffen musste. Sie verbreitete faszinierende Geschichten über ihr Leben, pflegte das Image der kosmopolitischen Weltreisenden – nicht als Marketingtrick, sondern als gelebte Wahrheit und kluges Mittel, in einer Welt zu bestehen, die Frauen selten als Gleichberechtigte anerkannte.

Lange war die Rolle der Frau in der Kunst die der inspirierenden Muse, nicht der Malerin. Soshana malte sich in ihren Selbstporträts in der Tradition modernistischer Männerporträts – ungeschönt, direkt, mit einer Intensität, die keinen Raum für sentimentale Weiblichkeitsklischees ließ. Die COBRA-Gruppe, mit der sie über Pinot Gallizio in Kontakt kam, verweigerte ihr trotz produktiver Zusammenarbeit die Vollmitgliedschaft – weil sie eine Frau war. Statt sich entmutigen zu lassen, baute Soshana ein internationales Netzwerk individueller Kontakte auf.

Ihre Entscheidung, den Sohn Amos dem Vater zu überlassen, war in der damaligen Zeit skandalös – eine Mutter, die ihr Kind zugunsten einer Karriere aufgibt. Doch Soshana wusste, dass sie zwischen der Rolle der konventionellen Mutter und der der Künstlerin wählen musste. Sie wählte die Kunst. Es war eine Entscheidung, die sie nie ganz ohne Schmerz betrachtete, die aber die Bedingung für alles war, was folgte.

10

Reisen

Weltreisende mit Pinsel – Von Peking über Lambaréné nach Mexiko-Stadt

Soshana.de · Redaktion · Reisebericht

Kein Ort war Soshana zu weit, keine Reise zu beschwerlich. Ab Mitte der 1950er bereiste sie systematisch die Welt – allein, als Frau, in einer Zeit, in der das außergewöhnlich war. Indien, Thailand, Kambodscha, Japan, China, Brasilien, Mexiko, Kuba, Afrika: Ihre Reiseroute liest sich wie ein Atlas des 20. Jahrhunderts.

1957 stellte sie im Kaiserpalast von Peking aus. 1959 porträtierte sie Albert Schweitzer in Lambaréné. In Mexiko entwickelte sie ab 1964 enge Freundschaften mit Rufino Tamayo, David Alfaro Siqueiros, José Luis Cuevas und Mathias Goeritz. 1966 stellte sie im Palacio de Bellas Artes in Mexiko-Stadt aus. Weitere Ausstellungen folgten in New York, der Mitsubishi Gallery in Tokio (1960), in Brasilien und zahlreichen Ländern Süd- und Zentralamerikas. 1962 erhielt sie eine Ausstellung im Château Grimaldi in Antibes, das als Musée Picasso bekannt wurde.

Jeder Aufenthalt hinterließ Spuren: Indiens Farbigkeit, Japans kalligraphische Kraft, Mexikos monumentale Wandmalerei. Ihre Werke sind Produkte einer Weltanschauung im wörtlichen Sinne: des Anschauens der Welt. Selbst nach ihrer Rückkehr nach Wien 1985 reiste sie weiter – nach Indien, Mexiko, Kuba, Haiti, in die Schweiz und nach Frankreich. Immer allein, immer auf der Suche.

11

Porträtkunst

Porträts der Berühmten – Gesichter einer Epoche im Wandel

Soshana.de · Redaktion · Werkanalyse

Soshanas Porträtwerk der 1940er Jahre ist ein einzigartiges Zeitdokument. Thomas Mann, Arnold Schönberg, Otto Klemperer, Bruno Walter, Lion Feuchtwanger, Theodore Dreiser, Hanns Eisler – sie porträtierte die bedeutendsten europäischen Emigranten in den USA. Franz Werfel malte sie sogar auf seinem Totenbett, ein Werk von erschütternder Intimität. Bei der UNO-Gründungskonferenz 1945 in San Francisco porträtierten Soshana und Afroyim namhafte Delegierte, darunter den stellvertretenden Vorsitzenden der sowjetischen Planungskommission.

Alle Porträtierten tragen einen ausgeprägt melancholischen Blick. Die Darstellungen sind frontal oder im Dreiviertelformat und fokussieren vollständig auf die dargestellte Person. Aus der Perspektive des Sozialen Realismus interpretierte Soshana die Psychologie der europäischen Emigranten – eine bemerkenswerte Leistung für eine Teenagerin. Dass Soshana selbst mehrfach porträtiert wurde – von Picasso 1954, von Giacometti Ende der 1950er Jahre – verleiht ihrer Biografie eine besondere Symmetrie.

12

Heimkehr

Die Rückkehr nach Wien – Späte Heimat, unermüdliches Schaffen

Soshana.de · Redaktion · Biografie

1985 kehrte Soshana nach Wien zurück – nach einem Jahrzehnt in New York City, wo sie seit 1974 gelebt hatte. In Manhattan bewohnte sie zunächst das legendäre Chelsea Hotel, jenes Refugium der Künstler und Außenseiter, in dem sie ihre Miete teilweise mit Gemälden bezahlen konnte. Sie kannte bedeutende Protagonisten der New Yorker Kunstszene: Francesco Clemente, den Sammler Joseph Hirshhorn und ihren engen Freund Adolph Gottlieb, den sie 1965 kennengelernt hatte. Trotz internationaler Anerkennung fühlte sich Soshana in New York zunehmend unwohl und sehnte sich nach Wien.

In Wien knüpfte sie Kontakte zu Künstlern aus der Pariser Zeit – Hans Staudacher, Hildegard und Harold Joos, Trude Gill. So lange es ihre Gesundheit erlaubte, reiste sie weiter: nach Indien (1988, 1995), Mexiko und Kuba (1993), Haiti (1989), in die Schweiz und nach Frankreich. 2005 zwangen gesundheitliche Probleme sie, in ein Pflegeheim zu ziehen. Doch auch dort malte sie weiter. 2008 übernahm die Österreichische Nationalbibliothek ihren schriftstellerischen Nachlass – Manuskripte, Fotografien, Briefe und Dokumente. Im selben Jahr erlitt sie einen Schlaganfall, der ihre Motorik dauerhaft einschränkte.

Die Ausstellung „I Am OK" 2012, kuratiert von Leon Naffin und Hoa Luo, zeigte Soshanas Spätwerk: knallig, bunt, expressiv. 2015, wenige Monate vor ihrem Tod, wurde die Ausstellung „SOSHANA. A LIFE. WORLDSTORIES" in der Deutschvilla Strobl am Wolfgangsee gezeigt. Am 9. Dezember 2015 verstarb Soshana in Wien im 89. Lebensjahr. Ihr letztes Zitat: „Wenn ich male, vergesse ich alles um mich herum, ich werde eins mit der Leinwand und drücke meinen Schmerz und alles, was ich fühle, auf dieser Leinwand aus."

13

Kooperationen

Soshana und die COBRA-Gruppe – Kreative Allianz mit Grenzen

Soshana.de · Redaktion · Kunstgeschichte

1959 lernte Soshana in Paris den italienischen Künstler Pinot Gallizio kennen. In nur einem Monat schufen sie gemeinsam rund zwanzig Gemälde. Gallizio beschrieb die Ergebnisse in einem Brief an seine Galeristen als „formidable." Über Gallizio kam Soshana in Kontakt mit der COBRA-Gruppe – Karel Appel und Asger Jorn. Ihre gestische Malweise war kompatibel mit der expressiven COBRA-Ästhetik, doch als Frau wurde sie nicht als Vollmitglied aufgenommen.

Stattdessen begann Soshana eine Zusammenarbeit mit der O'Hana Gallery in London, wo sie zwischen 1959 und 1963 drei Einzelausstellungen erhielt. Die gemeinsamen Werke mit Gallizio dokumentieren den Moment, in dem sich figurative und abstrakte Traditionen, italienische und nordeuropäische Expressionismen begegneten.

14

Anerkennung

Ehrungen und Vermächtnis – Die späte Würdigung

Soshana.de · Redaktion · Nachruf

Am 2. September 2009 überreichte Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny Soshana das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien. Er betonte, dass sie für ein offenes, humanistisches Denken stehe. Im Mai 2010 folgte das Große Ehrenkreuz der Republik Österreich für Wissenschaft und Kunst. Im selben Jahr erschien die Monografie „Soshana. Leben und Werk" (Springer Verlag), herausgegeben von Angelica Bäumer und Amos Schüller.

Soshanas Werke befinden sich in den Museen für Moderne Kunst in Paris und Rom, im Israel Museum in Jerusalem, im Jewish Museum in New York. Auf dem Auktionsmarkt erzielen ihre Werke Preise zwischen 25 und 11.550 US-Dollar; der Rekordpreis wurde 2023 bei Im Kinsky für „Chinese Tiger" erzielt. Sie zählt zu den wenigen österreichischen Malerinnen des 20. Jahrhunderts, die internationale Anerkennung erlangten.

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Werkanalyse

Soshanas Selbstporträts – Spiegel einer Identität im Wandel

Soshana.de · Redaktion · Kunstkritik

Soshanas Selbstporträts dokumentieren ihre innere Entwicklung. 1945 starrt sie ernst, die Augen intensiv, beinahe hervortretend, der Mund petulant und entsexualisiert – eine Absage an die sinnlichen weiblichen Darstellungen eines Modigliani. Ihre Augenbrauen, auch auf Fotografien ihr auffälligstes Merkmal, sind ausgeprägt und fest, spiegeln den strengen Mittelscheitel ihres Haares wider.

1951, am Vorabend ihres Aufbruchs nach Paris, wirken die Augen noch geschwollener, zorniger. Sie hält Blumen, als seien sie verdorbene Objekte – die Dekoration einer Häuslichkeit, die sie abzustreifen im Begriff war. 1955, als befreites Mitglied der Pariser Künstlergemeinschaft, malt sie sich im Gruppenbild „Artists in Paris" als gleichberechtigte Figur unter Gleichgesinnten – neben dem indischen Maler Krishna Reddi und der japanischen Malerin Tomoko Nakano. Soshana porträtierte sich in der Tradition modernistischer Männerporträts: die eigene Eitelkeit mit unschmeichelhaften Strichen schmeichelnd, heroisch in Alltäglichkeit und Erschöpfung.

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Zeitgeschichte

Die arisierte Fabrik – Das Erbe der Familie Schüller

Soshana.de · Redaktion · Historischer Hintergrund

Fritz Schüllers Manschettenknopffabrik in Wien wurde nach dem Anschluss 1938 arisiert – enteignet und in arische Hände überführt. Was danach geschah, gehört zu den beklemmendsten Details in Soshanas Familiengeschichte: In der ehemaligen Fabrik wurden während des Krieges NSDAP-Parteiabzeichen hergestellt. Als die Rote Armee auf Wien vorrückte, versuchte man alle Spuren zu beseitigen. Abzeichen und Stanzformen wurden per Schubkarren zum Donaukanal gebracht und ins Wasser gekippt.

1947 wurde das Unternehmen den rechtmäßigen Besitzern zurückerstattet. Doch die symbolische Last – dass an der Stelle, wo ein jüdischer Unternehmer Manschettenknöpfe gefertigt hatte, nun die Insignien der Partei produziert wurden, die seine Familie vertrieben hatte – blieb. Für Soshana war diese Geschichte Teil eines größeren Traumas der Entwurzelung, das ihr gesamtes künstlerisches Schaffen durchzog.

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Kuba

Havanna 1948 – Die Geburt eines Künstlernamens

Soshana.de · Redaktion · Biografie

Die neun Monate in Kuba gehören zu den weniger beachteten, aber entscheidenden Stationen in Soshanas Leben. Nachdem Beys Afroyim als bekennender Kommunist befürchten musste, in den USA verhaftet zu werden, verließ die Familie 1948 das Land. In Havanna erhielt Soshana ihre erste große Einzelausstellung im Circulo de Bellas Artes – einer der renommiertesten Kunstinstitutionen der karibischen Metropole.

Für diese Ausstellung nahm Susanne Afroyim den Namen an, den ihr Mann ihr gegeben hatte: „Soshana" – hebräisch für „Lilie" (שושנה). Es war ein bewusster Akt der Neuerfindung: Die Wiener Susanne Schüller, die amerikanische Mrs. Afroyim und die künftige Weltbürgerin Soshana verschmolzen in diesem Moment zu einer neuen Identität. Von Kuba aus führte der Weg nach Europa und Israel, dann die Scheidung und schließlich Paris. Die Havanna-Ausstellung war der erste Schritt einer Künstlerkarriere, die sieben Jahrzehnte umspannen sollte.

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Intellektuelle Kreise

Sartre, Beauvoir und die Cafés von Montparnasse

Soshana.de · Redaktion · Kulturgeschichte

Das Paris der 1950er Jahre war nicht nur Zentrum der bildenden Kunst, sondern auch der Philosophie und Literatur. In den Cafés von Montparnasse trafen Maler, Bildhauer, Schriftsteller und Philosophen aufeinander. Soshana erinnerte sich, dass die meisten Künstler in Montparnasse lebten und sich in drei Cafés trafen. In diesem Milieu führte sie Gespräche mit Jean-Paul Sartre, dem Begründer des Existentialismus, und tauschte Eindrücke mit Simone de Beauvoir aus – jener Intellektuellen, deren Werk „Das andere Geschlecht" zur Bibel der feministischen Bewegung werden sollte.

Für Soshana waren diese Begegnungen mehr als bloße Namedropping-Anekdoten. Der existentialistische Grundgedanke – dass der Mensch zur Freiheit verurteilt sei und sich durch seine Handlungen selbst definiere – entsprach zutiefst ihrer eigenen Lebensphilosophie. Ihre Entscheidung, Konventionen zu sprengen, die Ehe aufzugeben, allein zu reisen, sich als Frau in der Kunstwelt zu behaupten: All das war gelebter Existentialismus, lange bevor sie den Begriff in den Pariser Cafés diskutierte.

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China

Im Kaiserpalast von Peking – Soshanas Ausstellung 1957

Soshana.de · Redaktion · Reisebericht

Die Ausstellung im Kaiserpalast von Peking 1957 gehört zu den außergewöhnlichsten Leistungen in Soshanas Biografie. Sie hatte sich selbst eine Einladung des chinesischen Kulturministeriums organisiert – ein Akt des Selbstmarketings und der Diplomatie zugleich. Auf dem Weg nach China bereiste sie Indien, Thailand, Kambodscha und Japan. In Kyoto studierte sie bei buddhistischen Mönchen die Kunst der Kalligraphie, in Hangzhou lernte sie von chinesischen Malern die Arbeit mit Tusche auf Reispapier.

Die Ausstellung in Peking machte Soshana zu einer der ersten westlichen Künstlerinnen, die in der Volksrepublik China offiziell ausstellten – nur acht Jahre nach Gründung des Staates, in einer Zeit politischer Isolation. Es war ein Triumph persönlicher Initiative und ein Beweis für Soshanas Fähigkeit, kulturelle Grenzen zu überwinden. Die chinesischen Einflüsse – die Leere als Gestaltungsmittel, die Spannung zwischen Strich und unbemalt gelassener Fläche – wurden zu einem dauerhaften Element ihres Werks.

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Kunstströmungen

Informel und École de Paris – Soshana im Strom der Nachkriegskunst

Soshana.de · Redaktion · Kunstgeschichte

Das Informel – jene europäische Strömung, die das Gegenbild zur geometrischen Abstraktion bildete – war der künstlerische Nährboden, auf dem Soshanas reifer Stil gedieh. In Paris, dem Epizentrum dieser Bewegung, begegnete sie den verschiedensten Ausprägungen: dem Tachismus mit seiner betonten Geste, der lyrischen Abstraktion, dem Amerikanischen Abstrakten Expressionismus, der sich über Künstler wie Sam Francis in Europa verbreitete, und der gestischen Malerei der japanischen Gutai-Gruppe.

Soshanas Position innerhalb dieser Strömungen war eigentümlich: Sie gehörte keiner Schule an, war Mitglied keiner Gruppe. Ihre Praxis lässt sich als eine transformative Sprache interpretieren, die im Dialog mit vielen Bewegungen gleichzeitig stand. Der Informel gab ihr die Freiheit des spontanen Ausdrucks, die École de Paris den intellektuellen Rahmen, die asiatische Kalligraphie die spirituelle Tiefe. Die Synthese dieser Einflüsse machte ihre Arbeit unverwechselbar.

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Rechtsgeschichte

Afroyim v. Rusk – Wie Soshanas Ex-Mann das US-Bürgerrecht veränderte

Soshana.de · Redaktion · Rechtsgeschichte

Der Fall Afroyim v. Rusk (387 U.S. 253) gehört zu den wegweisenden Entscheidungen des US Supreme Court. Beys Afroyim, Soshanas Ex-Mann, hatte 1951 an einer israelischen Parlamentswahl teilgenommen. Als er 1960 seinen US-Pass erneuern wollte, verweigerte das Außenministerium dies unter Berufung auf den Nationality Act von 1940, der den Verlust der Staatsbürgerschaft bei Teilnahme an ausländischen Wahlen vorsah.

Am 29. Mai 1967 entschied der Supreme Court mit 5 zu 4 Stimmen zugunsten von Afroyim. Justice Hugo Black schrieb für die Mehrheit, dass die Citizenship Clause des 14. Verfassungszusatzes die Staatsbürgerschaft „permanent und sicher" mache. Der Kongress besitze keine Befugnis, einem Bürger die Staatsbürgerschaft ohne dessen freiwillige Zustimmung zu entziehen. Die Entscheidung hob den Präzedenzfall Perez v. Brownell (1958) auf und ebnete den Weg für die moderne Akzeptanz doppelter Staatsbürgerschaften.

Für Soshanas Biografie hat der Fall eine eigentümliche Ironie: Der Mann, der sie zur Künstlerin machte und mit dem sie durch die Welt zog, veränderte als juristischer Laie vor dem höchsten Gericht der USA die Grundlagen des Staatsbürgerschaftsrechts – eine historische Leistung, die weit über die Kunstwelt hinausreicht.

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Afrika

Albert Schweitzer in Lambaréné – Ein Porträt des Friedensnobelpreisträgers

Soshana.de · Redaktion · Reisebericht

1959 reiste Soshana durch Afrika und gelangte nach Lambaréné in Gabun, wo der elsässische Arzt, Theologe und Musiker Albert Schweitzer seit Jahrzehnten sein berühmtes Urwaldhospital betrieb. Schweitzer, der 1952 den Friedensnobelpreis erhalten hatte, war zu dieser Zeit eine der meistverehrten Persönlichkeiten der Welt. Soshana porträtierte ihn – ein Akt, der an ihre frühe Karriere als Porträtistin prominenter Persönlichkeiten anknüpfte.

Das Schweitzer-Porträt steht symbolisch für Soshanas Fähigkeit, sich Zugang zu den bedeutendsten Persönlichkeiten ihrer Zeit zu verschaffen – ob in den Salons von New York, den Ateliers von Paris oder dem Urwald von Gabun. Es war stets dieselbe Kombination aus Chuzpe, Talent und echtem Interesse am Gegenüber.

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Kunstmarkt

Soshanas Werke heute – Auktionen, Sammlungen und Wiederentdeckung

Soshana.de · Redaktion · Marktanalyse

Auf dem internationalen Auktionsmarkt sind Soshanas Werke regelmäßig vertreten. Die Plattform artnet verzeichnet über 398 Auktionslose. Die Preisspanne reicht von 25 bis 11.550 US-Dollar; der Rekordpreis wurde 2023 für das Gemälde „Chinese Tiger" beim Wiener Auktionshaus Im Kinsky erzielt. Der Durchschnittspreis ihrer Gemälde liegt bei rund 2.700 US-Dollar.

Museen, die Werke Soshanas in ihren Sammlungen führen, befinden sich in Paris (Musée d'Art Moderne), Rom (Museo d'Arte Moderna), Jerusalem (The Israel Museum), New York (The Jewish Museum) und Antibes (Musée Picasso, Château Grimaldi). Die Auktionshäuser Sotheby's und Christie's haben ihre Werke ebenso geführt wie spezialisierte Häuser wie Im Kinsky, Dorotheum und Swann Auction Galleries. Angesichts der Wiederentdeckung weiblicher Kunstpositionen des 20. Jahrhunderts dürfte Soshanas Marktposition in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen.

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Familie

Amos Schüller – Der Sohn als Hüter des Erbes

Soshana.de · Redaktion · Biografie

Die Beziehung zwischen Soshana und ihrem Sohn Amos war von der Trennung geprägt. 1946 in New York geboren, wuchs Amos zunächst bei Soshanas Großvater in Wien auf, bevor sein Vater Beys das alleinige Sorgerecht erhielt. Die Entscheidung, den Sohn aufzugeben, war der Preis für Soshanas künstlerische Freiheit.

Im späteren Leben näherten sich Mutter und Sohn wieder an. Amos Schüller wurde zum wichtigsten Verwalter von Soshanas Erbe. Gemeinsam mit der Kunsthistorikerin Angelica Bäumer gab er 2010 die Monografie „Soshana. Leben und Werk" heraus. Er wirkte an der ORF-Dokumentation „Überall alleine" mit und betreibt die offiziellen Websites soshana.net und soshana.com. Es ist Amos' Verdienst, dass Soshanas Werk systematisch dokumentiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.

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Film

»Überall alleine« – Die ORF-Dokumentation über Soshana

Soshana.de · Redaktion · Filmkritik

Die 45-minütige ORF-Dokumentation „Überall alleine – Die Malerin Soshana" wurde 2013 ausgestrahlt und auf 3sat gezeigt. Produziert von Werner Müller unter Mitwirkung von Amos Schüller, beanspruchte der Film fünf Jahre Produktionszeit. Er folgt den Lebensstationen der damals 86-jährigen Künstlerin und zeigt sie in ihrem Wiener Alltag, wo sie trotz der Folgen eines Schlaganfalls nahezu täglich malt.

Der Film verbindet biografische Rekonstruktion mit poetischen Momenten der Gegenwart. Er dokumentiert Soshanas ungebrochenen Lebenswillen und die Bedeutung, die das tägliche Malen für sie hatte. Die Dokumentation wurde zum wichtigsten audiovisuellen Zeugnis über Soshanas Leben und erreichte ein breites Publikum weit über die Kunstszene hinaus. Im selben Jahr stellte Soshana im Art Center des National Museum in Bahrain aus und war in der Ausstellung „Nacht über Österreich" an der Österreichischen Nationalbibliothek vertreten, die 75 Jahre nach dem Anschluss die Schicksale emigrierter Künstler thematisierte.

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New York

New York 1974–1985 – Das Chelsea Hotel und die Rückkehr nach Amerika

Soshana.de · Redaktion · Biografie

Nach zwei Jahrzehnten in Paris und ausgedehnten Reisen durch Asien, Afrika und Lateinamerika zog es Soshana 1974 nach New York City. In Manhattan fand sie zunächst Unterkunft im legendären Chelsea Hotel an der 23rd Street, jenem mythischen Ort, in dem bereits Mark Twain, Dylan Thomas, Leonard Cohen und Patti Smith gewohnt hatten. In der Tradition des Hauses konnte Soshana ihre Miete teilweise mit Gemälden bezahlen. Später bezog sie ein eigenes Atelier in Queens.

In der New Yorker Kunstszene der späten 1970er und frühen 1980er Jahre pflegte Soshana Kontakte zu bedeutenden Künstlern und Sammlern: den Neoexpressionisten Francesco Clemente, den einflussreichen Sammler Joseph Hirshhorn (dessen Kollektion heute das Hirshhorn Museum in Washington bildet) und Adolph Gottlieb, einen Hauptvertreter des Abstrakten Expressionismus, den sie bereits 1965 kennengelernt hatte und der 1974, im Jahr ihrer Ankunft, verstarb.

Trotz internationaler Anerkennung fühlte sich Soshana in New York zunehmend unwohl. 1985, nach elf Jahren in Manhattan und Queens, kehrte sie nach Wien zurück – in die Stadt, aus der sie als Kind hatte fliehen müssen.

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Nachlass

Der Nachlass in der Nationalbibliothek – Soshanas Erbe für die Nachwelt

Soshana.de · Redaktion · Kulturpolitik

2008 übernahm die Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB) Soshanas schriftstellerischen Nachlass: Manuskripte, Fotografien, Briefe, persönliche Dokumente und Korrespondenz – ein Archiv, das Einblick in sieben Jahrzehnte internationaler Kunstgeschichte gewährt. Ihre Tagebucheinträge – wie die Lesung „One Month from Soshana's Diary", die 2014 in der ÖNB Premiere hatte – offenbaren die private Seite einer Künstlerin, die öffentlich stets das Bild der unerschrockenen Weltreisenden pflegte.

Im selben Jahr erschien eine Sonderbriefmarke „Soshana" aus der Kollektion „Moderne Kunst in Österreich" der Österreichischen Post. Das abgebildete Werk „Rainbow" (1981) steht symbolisch für die leuchtende Kraft ihres Schaffens.

Zeitleiste

Chronologie eines Lebens

1927

Am 1. September als Susanne Schüller in Wien geboren. Vater Fritz besitzt eine Manschettenknopffabrik, Mutter Margarethe ist Bildhauerin.

1930er

Rudolf-Steiner-Schule, dann Schwarzwaldschule (gegr. von Eugenie Schwarzwald) im ersten Wiener Hochhaus, Herrengasse.

1938

Anschluss Österreichs. Soshana beobachtet Hitlers Einzug vom Fenster der Hanuschgasse. Flucht über die Schweiz und Paris nach London. Arisierung der väterlichen Fabrik.

1940

Chelsea Polytechnic School in London. Zeichnungen des Blitz.

1941

Emigration nach New York auf der S.S. Madura (letztes ziviles Schiff aus Europa). Washington Irving High School. Beginn des Malens unter Beys Afroyim (geb. 1893 als Ephraim Bernstein in Polen).

1944

Mit 17 Jahren Reisen durch die USA mit Afroyim. Porträts von Thomas Mann, Schönberg, Werfel (Totenbett), Klemperer, Bruno Walter, Feuchtwanger, Dreiser, Eisler.

1945

Porträts von UNO-Delegierten bei der Gründungskonferenz in San Francisco. Heirat mit Beys Afroyim.

1946

Geburt des Sohnes Amos in New York.

1948

Wegen Beys' kommunistischer Aktivitäten Verlassen der USA. Neun Monate Kuba. Erste Ausstellung im Circulo de Bellas Artes, Havanna. Annahme des Künstlernamens „Soshana" (hebr. שושנה, „Lilie").

1949

Aufenthalte in Holland, Österreich, England, Polen, Tschechoslowakei. Weiterreise nach Israel.

1950

Scheidung von Beys Afroyim. Rückkehr nach Wien mit Sohn Amos.

1951–52

Universität für angewandte Kunst, dann Akademie der bildenden Künste (Pauser, Gütersloh, Boeckl). Übersiedlung nach Paris.

1952–53

Ateliers von Derain, neben Brâncuși am Impasse Ronsin, dann Gauguins ehemaliges Studio in der Rue de la Grande Chaumière. Freundschaft mit Giacometti. Pariser Salons und Galerie André Weil.

1954

Picasso porträtiert Soshana in Vallauris. Bietet ihr an, bei ihm einzuziehen. Soshana lehnt ab.

1956

Asienreise: Indien, Thailand, Kambodscha, Japan. Kalligraphie bei buddhistischen Mönchen in Kyoto; Tuschekunst bei chinesischen Malern in Hangzhou.

1957

Einzelausstellung im Kaiserpalast von Peking – eine der ersten westlichen Künstlerinnen in der VR China.

1959

Afrikareise. Porträt von Albert Schweitzer in Lambaréné. Zusammenarbeit mit Pinot Gallizio (20 gemeinsame Gemälde). Kontakt zur COBRA-Gruppe. Beginn der Zusammenarbeit mit der O'Hana Gallery London.

1960

Ausstellungen in Brasilien, Süd-/Zentralamerika, erste Ausstellung in New York, Mitsubishi Gallery Tokio.

1962

Ausstellung im Château Grimaldi (heute Musée Picasso), Antibes.

1964–66

Mexiko: Freundschaften mit Rufino Tamayo, Siqueiros, Cuevas, Goeritz. 1965: Begegnung mit Adolph Gottlieb. 1966: Palacio de Bellas Artes, Mexiko-Stadt.

1967

Beys Afroyim gewinnt Afroyim v. Rusk (387 U.S. 253) – Grundsatzentscheidung zum US-Staatsbürgerschaftsrecht.

1974

Übersiedlung nach New York. Chelsea Hotel, später Atelier in Queens. Kontakte zu Clemente, Hirshhorn, Gottlieb.

1985

Endgültige Rückkehr nach Wien.

1997

Erste große Wiener Retrospektive (Galerie im Palais Palffy).

2005

Gesundheitliche Probleme; Umzug in ein Pflegeheim. Soshana malt weiter.

2008

ÖNB übernimmt schriftstellerischen Nachlass. Sonderbriefmarke „Soshana" (Motiv: „Rainbow", 1981). Schlaganfall.

2009

Goldenes Verdienstzeichen des Landes Wien.

2010

Ehrenkreuz der Republik Österreich für Wissenschaft und Kunst. Monografie „Soshana. Leben und Werk" (Springer).

2012

Ausstellung „I Am OK" zum 85. Geburtstag.

2013

ORF-Dokumentation „Überall alleine" (Regie: Werner Müller). Ausstellungen in Bahrain und ÖNB („Nacht über Österreich").

2015

Letzte Ausstellung „SOSHANA. A LIFE. WORLDSTORIES" (Deutschvilla Strobl). Soshana verstirbt am 9. Dezember in Wien im 89. Lebensjahr.

Künstlerisches Schaffen

Das Werk – Eine Übersicht

Soshanas Œuvre umfasst mehrere Tausend Werke – Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle und Druckgrafiken – die sich über sieben Jahrzehnte erstrecken.

Ihre Werke gliedern sich in drei Hauptphasen: Die frühe figurative Phase (1940er) mit Porträts, Straßenszenen und sozialkritischen Arbeiten im Geiste des Sozialen Realismus. Die Übergangsphase (frühe 1950er), in der sich unter dem Einfluss der Pariser Avantgarde die Lösung vom Gegenständlichen vollzog. Und die reife abstrakte Phase (ab Mitte der 1950er), in der Kalligraphie, gestische Malerei und eine eigenständige Ost-West-Synthese zur unverwechselbaren Handschrift wurden.

Zu den bekannten Einzelwerken zählen: „Old Street in NY City" (1943), „My Sweatshop in New York" (1944), „Two Black Youths" (1944), „Franz Werfel auf dem Totenbett" (1945), „Artists in Paris" (1955), „Sans Titre" (1957), „Chinese Inspiration" (1958), „Dark Grey Abstraction II" (1958), „Lys orange" (1956), „Blühende Wüste" (1991), „After the Rain" (1992), „Joyful" (1990), „Birds Over Asia", „Chinese Tiger", „Japanese Bird", „Black Fantasy", „Seaweeds" (1977) und „Bird on Red Background".

Ausgewählte Präsentationen

Ausstellungen – Weltweit

Soshana stellte auf fünf Kontinenten aus. Zu den bedeutendsten Einzelausstellungen zählen: Circulo de Bellas Artes, Havanna (1948); diverse Pariser Salons und Galerie André Weil (1950er); Kaiserpalast, Peking (1957); O'Hana Gallery, London (1959, 1960, 1963); Mitsubishi Gallery, Tokio (1960); Château Grimaldi / Musée Picasso, Antibes (1962); Krasner Gallery, New York (1964); Galerie Wolfgang Gurlitt, München (1965); Palacio de Bellas Artes, Mexiko-Stadt (1966); Galerie Prisma, Wien (diverse); Palais Palffy, Wien (1997); Palais Harrach, Wien; Akademie der Bildenden Künste, Wien (2011); Galerie Bollag, Zürich (2011); Galerie Lilly's Art, Wien (2012); National Museum Art Center, Bahrain (2013); Österreichische Nationalbibliothek (2013); Galerie Szaal, Wien (2014); Galerie del Ponte, Turin (2014).

Gruppenausstellungen umfassten unter anderem „Fluchtlinien. Kunst und Trauma" beim Kunstfestival SOHO in Ottakring, Wien (2012), „Nacht über Österreich" in der ÖNB (2013), „Die Rückkehr der alten Geister" an der Akademie der Bildenden Künste, Wien (2011), sowie eine Gruppenausstellung mit Pinot Gallizio, Piero Simondo und anderen an der Galerie del Ponte in Turin (2014).

Soshanas Werke befinden sich in folgenden Museen und Institutionen: Musée d'Art Moderne, Paris; Museo d'Arte Moderna, Rom; The Israel Museum, Jerusalem; The Jewish Museum, New York; Musée Picasso (Château Grimaldi), Antibes. Darüber hinaus sind zahlreiche Werke in privaten Sammlungen in Europa, den USA, Israel, Japan und Lateinamerika vertreten.

Rechtliches

Impressum & Datenschutz

Angaben gemäß § 5 TMG / § 25 MStV

Florian Wilk
Larnaca
Zypern (Republic of Cyprus)
Europäische Union

Kontakt

E-Mail: info@soshana.de
Website: www.soshana.de

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Florian Wilk
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